Religionskonflikte

Religionskonflikte im Orient

Übersicht:

1. Hintergründe/Konfliktauslöser

2. Religionskonflikte in der Vergangenheit

3. Aktuelle Religionskonflikte

4. Wege zum Frieden?

1. Hintergründe und Konfliktauslöser

Entstehungsgeschichte

Bei den Religionskonflikten im Orient handelt es sich in erster Linie um Konflikte zwischen Juden, Christen und Muslimen. Auch innerhalb dieser Religionen gibt es Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Gruppierungen.

Alle drei großen monotheistischen Weltreligionen sind im Orient entstanden. Für die Juden ist der Bezug zum Land wesentlicher Bestandteil ihrer Religion, weil sie das Land Israel als das ihnen von Gott verheißene Erbe ansehen.

Zugang zu den Heiligen Stätten

Die heiligen Stätten von Juden, Christen und Muslimen liegen im Orient. Jerusalem ist für alle drei Religionen eine heilige Stadt.

Für die Religionsausübung ist es wichtig, Zugang zu diesen heiligen Stätten zu haben, weil der Gläubige meint, Gott dort besonders nah kommen zu können.

Die Klagemauer ist die frühere Westmauer des zweiten Jerusalemer Tempels. Für die Juden ist sie ein Ort des Gebets.

In der Grabeskirche verehren die Christen die überlieferten Stellen der Kreuzigung und des Grabes Jesu Christi.

Die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom auf dem Tempelberg machen Jerusalem zur drittheiligsten Stadt des Islam.

Religiöser Eifer

Überzeugung, der allein wahren Religion anzuhängen -> Wunsch auch andere dazu zu bekehren -> wenn das nicht gelingt, wird die andere, „falsche“ Religion bekämpft.

In wirtschaftlichen Krisenzeiten sind Menschen besonders anfällig für extreme Ideologien, besonders wenn diese von charismatischen Führerpersönlichkeiten vertreten werden.

Religiöse Führer verkünden, der Krieg sei Auftrag GottesBeispiel: Osama bin Laden erklärte 1998 nach dem Zweiten Golfkrieg das Töten von Zivilisten und Soldaten der Vereinigten Staaten überall zur Pflicht jedes Moslems.

Dschihad“ als im Koran begründeter Heiliger Krieg

Wer im „Heiligen Krieg“ stirbt, hofft direkt ins Paradies zu kommen (z.B. Selbstmordattentäter)

Vermengung von Religion und Politik

In der arabischen Welt sind Politik und Religion eng verbunden. Politische und religiöse Machthaber sind oft identisch oder stehen einander nahe.

Politische und religiöse Motive lassen sich nicht eindeutig voneinander trennen.

Ihr Ziel ist der Gottesstaat: Eine Gesellschaftsordnung, die allein auf den Regeln des Koran gründet. Beispiel: Einführung der Scharia (islamisches Recht) in Ägypten

Religion als Vorwand für anders begründete Konflikte

Religion kann ein Vorwand sein für rein machtpolitisch begründete Konflikte (z.B. Zugang zum Meer oder zu Bodenschätzen)

Anführer der Konfliktparteien schieben die Religion vor, weil sie so die Massen besser mobilisieren können

Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit:

Religion ist nie allein die Ursache. Aktuell sehe ich sie in keinem einzigen Konflikt eindeutig als der entscheidende Auslöser.

2. Religionskonflikte in der Vergangenheit

Die Kreuzzüge

Bei den Kreuzzügen beteiligten sich nicht nur Ritter die kämpfen wollten sondern auch Menschen die auswandern wollten und sich im Orient ein besseres Leben erhofften.

Außerdem beteiligten sich auch viele abenteuerlustige Bürger die etwas von der Welt sehen wollten.

Der Erste Kreuzzug wurde durch Kaiser Alexios I Komnenos aus Byzanz ausgelöst als er militärische Unterstützung aus dem Abendland gegen die Seldschuken forderte. Papst Urban forderte am 27. November 1095 das christliche Volk Europas dazu auf das unter muslimischer Herrschaft stehende heilige Land von den „gottlosen Heiden“ zu befreien.

Der Zweite Kreuzzug wurde 1144 zur Unterstützung der Kreuzfahrerstaaten von der der Kirche einberufen. Er begann 1147. Nach mehreren Niederlagen endete er als Misserfolg im Jahr 1149.

Den Dritten Kreuzzug rief der Papst aus, nachdem der Sultan Saladin Jerusalem erobert hatte. Der Kreuzzug begann 1189 unter Führung von Friedrich Barbarossa, der vor Erreichen des Heiligen Landes ums Leben kam, Philipp II. von Frankreich und Richard Löwenherz von England. 1192 endete der Kreuzzug mit einem Friedensvertrag.

Es folgten noch vier weitere weniger bedeutsame Kreuzzüge wobei der letzte nur noch eine bewaffnete Pilgerfahrt war.

3. Aktuelle Religionskonflikte

Der Palästinakonflikt

Die Juden betrachten Palästina als ihre angestammte Heimat und als das ihnen von Gott verheißene Erbe.

Seit dem 19. Jahrhundert wandern Juden aus aller Welt verstärkt zurück nach Palästina.

Eine große Einwanderungswelle erlebte Palästina während und nach dem 2. Weltkrieg

Zwischen den Einwanderern (Juden) und der arabischen Bevölkerung (Muslime, z.T. auch Christen) kommt es immer wieder zu Streitigkeiten

1947 beschließt die UN die Teilung in ein arabisches und ein jüdisches Gebiet

Die Teilung wird von den Palästinensern (Arabern) nicht akzeptiert und sie greifen den neu entstandenen Staat Israel an. Israel erwiderte den Angriff und erobert dabei viel Land

1967 Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und den miteinander verbündeten Ländern Ägypten, Syrien und Jordanien

1979 Friedensabkommen

Weiter Spannungen; immer wieder Selbstmordanschläge der Palästinenser

Die Juden wollen ihren eigenen Staat

Der Nord-Pakistan-Konflikt

2004 entsendet die pakistanische Regierung Soldaten zur Vertreibung der Taliban aus den Stammesgebieten

2006 Friedensabkommen mit den Stammesführern Rückzug der Armee

Stammeskrieger übernehmen die Polizeidienste

Taliban ermorden Stammesoberhäupter

Taliban zwingen Schulen zur Kooperation um neue Mitglieder anzuwerben

Üben Anschläge aus Musik-, Video- und Modegeschäfte aus, da diese nicht in ihr Weltbild passen

Vereinigen sich unter dem gemeinsamen Anführer Mehsud Baitullah

Kämpfen bis heute gegen die pakistanisch Regierung und die NATO

Was aus dem „arabischen Frühling“ in Ägypten geworden ist

Im Januar 2011 demonstrieren die Ägypter auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen das autoritäre Regime von Machthaber Hosni Mubarak und die soziale Situation im Land.

Nach der Entmachtung Mubaraks wurden Neuwahlen ausgeschrieben und man sprach vom „Arabischen Frühling“

Aus den Neuwahlen gingen fundamental-islamistische Parteien, die Muslimbrüder und die Salafisten, als Sieger hervor. Ihr Ziel ist ein „kompromissloser Gottesstaat nach dem Willen Allahs“.

Dies führte zu neuen Demonstrationen; schließlich übernahm das Militär die Macht.

Seitdem gibt es Proteste der Islamisten; Opfer sind vor allem koptische Christen.

In Straßenschlachten wurden sowohl Muslime als auch Christen getötet.

Immer wieder werden Kirchen in Brand gesetzt.

Motto der Salafisten: „Wir wollen Ägypten ohne Christen“

Die Salafisten

fundamental-islamistische Gruppierung, die sich direkt auf den Koran beruft

lehnen westliche Gesellschaft ab

mit der Al-Qaida vernetzt

äußerlich erkennt man sie an ihren Bärten und ihren langen Gewändern; die Frauen tragen Ganzkörperschleier.

machen auch in Deutschland Propaganda -> auch deutsche Moslems kämpfen in Ägypten für den Gottesstaat

4. Wege zum Frieden?

Frieden setzt weitgehend gleiche Lebensverhältnissevoraus (gleiche Verteilung von Reichtum und Macht, Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, etc.)

Bildung hilft Missverständnisse und religiösen Fanatismus zu überwinden

Friede kann dort wachsen, wo nicht auf die Unterschiede geschaut wird, sondern auf die Gemeinsamkeiten (Bewohner eines bestimmten Landes, Geschwister im Glauben an den einen Gott)

Möglichkeiten der Begegnungund des Kennenlernens schaffen

Einzelne müssen mit gutem Beispielvorangehen

Israel: Hope Flowers School

Die Hope Flowers School in El Khadr bei Bethlehem ist eine palästinensische Schule, die sich besonders der Erziehung zu Frieden und Demokratie widmet.

Seit 1998 führt sie Gemeinschaftsprojekte für palästinensische und jüdische Kinder durch.

Der Schule ist ein Bildungszentrum für Erwachsene angeschlossen.

Weitere Informationen: http://www.hopeflowersschool.org

Pakistan: Nationale Kommission für interreligiösen Dialog

Die Nationale Kommission für interreligiösen Dialog in Pakistan bildet Lehrer in Friedensarbeit und Konfliktprävention aus. Dazu wurden eigene friedenspädagogische Schulungsunterlagen und Unterrichtskonzepte entwickelt.

Außerdem betreut die Organisation interreligiöse Frauengruppen.

Weitere Informationen: http://www.caritas-international.de/hilfeweltweit/asien/pakistan/interreligioes-austausch

Ägypten: Posteraktion „Alles Ägypter“

Der ägyptische Fotograf Nabil Boutros hat verschiedene Ägypter mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund fotografiert und zu einem Poster „Alles Ägypter“ zusammengestellt.

Das Poster wurde von 20 privaten Kulturorganisationen unterzeichnet und öffentlich verbreitet.

Weitere Informationen: htttp:\\universes-in-universe.org

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